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29.09.2017

Von einer VERsorgenden zu einer MITsorgenden Gesellschaft

Leih-Oma sein – helfen können und selbst nicht allein sein. Eine Win-Win Situation für alle.

Am Sonntag, 1. Oktober ist der Internationale Tag der Älteren Menschen. Anlass, um wieder einmal darauf aufmerksam zu machen: Es braucht neue Konzepte und Strukturen für die Begleitung von Menschen im Alter.

GALLNEUKIRCHEN. Unsere Gesellschaft ist individueller und heterogener geworden. Auch die Ansprüche der Menschen im Alter haben sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Die Hochaltrigkeit und damit verbundene Einschränkungen, die Zunahme von Menschen mit fortgeschrittener Demenz, die Forderungen nach einer individuellen Begleitung und Pflege – für all diese Herausforderungen sind neue Antworten erforderlich.
Veränderte Ansprüche von Menschen im Alter beantwortet die Sozialpolitik aber immer noch mit Konzepten aus dem vorigen Jahrhundert. Dabei wissen wir zum einen, dass Menschen möglichst lange im gewohnten Umfeld bleiben möchten, zum anderen verändern sich die Betreuungs- und Pflegeanforderungen in Pflegeheimen. Mittlerweile leben in Pflegeheimen zunehmend Menschen mit fortgeschrittener Demenz und die Betreuungssituationen am Lebensende werden zunehmend komplexer.

MITsorgende statt VERsorgende Gemeinschaft
Deutlich werden die demographischen Veränderungen in den Gemeinden, Stadtteilen, Siedlungszusammenhängen – in den Sozialräumen, zu denen sich Menschen zugehörig fühlen, wo sie zuhause sind. Und in diesen Sozialräumen sollen auch Menschen im Alter verbleiben können, damit sie weiterhin an der Gemeinschaft teilhaben, trotz Unterstützungs- oder Pflegebedarf.
„Es braucht neue Wohnkonzepte, auch für Menschen mit hohem Pflegebedarf, ein Wohnen, das in das Gemeinwesen integriert und alltagstauglicher, bürgernäher organisiert ist. Es braucht eine MITsorgende anstelle einer VERsorgenden Gesellschaft“, betont Mag. Josef Scharinger, Vorstandsvorsitzender des Diakoniewerks.

Sogenannte Quartierskonzepte beinhalten ein solches Wohnen, das Lebensräume nicht nur für Menschen im Alter sondern auch für junge Menschen, Familien sowie Menschen mit Behinderung gestaltet und die im Quartier lebenden Menschen – mit Unterstützung einer Wohnkoordination –  miteinander vernetzt.


„Die hochprofessionelle medizinische Pflege muss als wichtige Dienstleistung sichergestellt werden. Die Organisation des Lebens hat sich aber am Maßstab eines „normalen“ Alltags aus Sicht der Pflegebedürftigen zu orientieren – und nicht an den Abläufen möglichst reibungsfreier Pflege“, ergänzt Josef Scharinger.

„Ich bin sehr glücklich hier.“
Frau H. wohnt seit drei Jahren in der „Rosa Zukunft“, einem Wohnquartier in Salzburg, das vom Diakoniewerk gemeinsam mit einem Bauträger realisiert wurde. „Ich bin sehr glücklich hier und bereue es keinen Tag, dass ich hier bin. Vor sechs Jahren ist mein Mann gestorben und ich habe mir dann in unserem Haus schon sehr schwer getan weil ich auch zwei Wirbelsäulenoperationen hatte. Ich habe gesehen, es geht nicht mehr alleine. Eine Bekannte hat mich damals auf das Bauprojekt ‚Rosa Zukunft‘ aufmerksam gemacht und das hat mir sofort sehr zugesagt“, erzählt die 76-Jährige, die zu den ersten BewohnerInnen in der „Rosa Zukunft“ gehört. Ihr Haus hatte sie der Tochter übergeben.

Das Konzept des Miteinanders begeistert sie: „Ich würde es nicht aushalten, nur unter alten Leuten zu sein. Ich mag junge Menschen, vor allem Kinder. Seit zwei Jahren habe ich hier ein Mädchen, das zu mir kommt und das ich betreue. Sie schläft auch oft bei mir, wenn die Mama in der Nacht arbeitet, weil sie Altenpflegerin ist. Ich bin für sie die Oma, und das macht mich sehr glücklich!“ strahlt Frau H..

Auch mit der Wohnkoordinatorin des Diakoniewerks, Birgit Radwanovsky, die die Bewohnerinnen und Bewohner der Rosa Zukunft untereinander vernetzt und Ansprechpartnerin für ihre Anliegen ist, versteht sie sich sehr gut. Oft braucht sie aber deren Unterstützung gar nicht, weil die Nachbarschaft so gut funktioniert: „Nicht nur mit der Familie des Mädchens, auch mit anderen Leuten habe ich einen guten Kontakt. Ich bin schon sehr viel krank gewesen, habe ein paar Operationen hinter mir, seit ich da bin. Ich hatte immer Hilfe, wenn ich sie gebraucht habe,“ äußert sich Frau H. überzeugt von der gelebten Nachbarschaft.

Lebensqualität für alle
Das Beispiel zeigt, welchen Gewinn eine MITsorgende Gemeinschaft bringt – für alle Beteiligten. Um ein solches Netzwerk aufzubauen, braucht es Menschen – ob hauptberuflich oder im bürgerschaftlichen Engagement – , die für die verantwortungsvolle Gemeinwesenarbeit motiviert und qualifiziert werden. Dabei darf man aber nicht dem Trugschluss unterliegen, diese Koordinationstätigkeit würde zum finanziellen Null-Tarif gelingen. Dafür müssen ein klarer politischer Wille erkennbar und Gelder bereitgestellt werden. Zugleich setzt das Entdecken und Vernetzen bestehender Potenziale und Ressourcen eine angemessene, öffentlich finanzierte Infrastruktur voraus.

Mehr zum 10 Punkte-Programm der Diakonie für die künftigen Gestaltung einer Gesellschaft des langen Lebens finden Sie auf www.diakoniewerk.at

Bild 1: privat /Abdruck honorarfrei
Bildtext: Leih-Oma sein – helfen können und selbst nicht allein sein. Eine Win-Win Situation für alle.

Bild 2: Diakoniewerk / Abdruck honorarfrei
Bildtext: Generationenwohnen im Wohnquartier „Rosa Zukunft“

Rückfragen:
Mag. MBA Daniela Scharer
Kommunikation & PR
Diakoniewerk (Zentrale)
Telefon 07235 65 505 1310
Mobil 0664 220 16 25
d.scharer@diakoniewerk.at
www.diakoniewerk.at/presse


Leih-Oma sein – helfen können und selbst nicht allein sein. Eine Win-Win Situation für alle. Generationenwohnen im Wohnquartier „Rosa Zukunft“